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Vortrag der Kräuterpädagogin Lydia Grafschafter

Freitag 19. 2. 2016

„Chili“, der kleine aber sehr feine Naturkostladen von Melitta Faller, in Spittal an der Drau, platzt an diesem Freitagabend fast aus allen Nähten. Wir kommen auf die Minute genau zum Vortrag so dass noch eilig für zusätzliche Sitzgelegenheiten gesorgt werden muss. Eine muntere und bunte Zuhörerschaft hat sich zum Teil auf kostbare Thonet Einzelstücke niedergelassen und wartet nun gespannt auf allerlei Neues, das bei Bedarf auch gleich eilfertig notiert wird. Zu unseren Füßen stehen große Körbe mit Bioerdäpfeln, rot leuchtenden Galaäpfeln und hinter uns, in den Regalschränken, befinden sich so mancherlei trinkbare biologische Köstlichkeiten.

Frau Lydia Grafschafter, die Referentin dieses Abends, ist mit reichlich Bildmaterial ausgestattet und fachlich bestens vorbereitet. Erstaunt hören wir, dass wir den eigenen Garten auch als Spiegel unserer eigenen „menschlichen Natur“ betrachten können...


Welche Rolle spielt zum Beispiel das Thema „Abgrenzungen“ im eigenen Garten/Leben? Ist jedes Beet, jede Baumscheibe akribisch abgegrenzt oder gibt es

zuweilen auch fließende Übergänge die Raum für Neues, oftmals Unerwartetes lassen?

Herrscht im eigenen Garten/Leben eine dominierende Einfalt oder oftmals auch eine abwechslungsreiche Vielfalt?

Welche Pflanzen zieht es hierher (zu mir) und siedeln sich daher im eigenen Naturgarten an?

Ist es der Boden selber der spezielle Pflanzenwesen zur Einregulierung benötigt um wieder in die Balance zu finden oder ist der Bedarf  für die Ansiedlung einer bestimmten Heilpflanzenart eher innerhalb der eigenen Familie zu suchen?

Pflanzen kommen und gehen, erklärt uns Frau Grafschafter, wie zum Beispiel der Breitwegerich, die Mutter aller Heilkräuter, sie bringt die heimische Variante des Flohsamens hervor! Unsere Privatgärten sollen im Idealfall Naturschutzparadiese sein. In Summe gesehen machen alle heimischen Privatgärten zusammen eine größere Gesamtfläche aus als alle Naturschutzgebiete unseres Landes zusammen!!!

Wie gehe ich also mit diesem Stückchen Erde um, das mir anvertraut ist? Lasse ich es zu dass sich kleine und kleinste Ökosysteme bilden können, oder unterwerfe ich dieses Geschenk der Natur einem vorgefertigten Raster das keinen Raum lässt für die Weisheit der Natur, die sich immer aufs Neue selbst zu heilen, zu stärken und zu erneuern weiß?

Wenn wir bedenken, dass in Deutschland die BUNDESWEHR zur BEKÄMPFUNG des eingeschleppten Springkrautes aufmarschiert, dann ist es auch nicht verwunderlich wenn in Privatgärten mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit „Schädlings (!)-BEKÄMPFUNGSMITTEL“ zum (Kampf- bzw. Vernichtungs-)einsatz kommen, die diesen hoch sensiblen ökologischen Gefügen tiefgreifende und langfristige Schäden  zufügen, sodass in weiterer Folge der Natur jede Chance auf Selbstregulation genommen wird?!

Eine ganze Heerschar von Insekten und Käfern sind die treuen und fleißigen „Mitarbeiter“ jedes Bio-Gärtners, weiß die Pflanzenpädagogin  zu berichten. Die künstlich erfundene Einteilung in „Nützlinge“ und „Schädlinge“ sollte einmal grundlegend überdacht werden.

Denn in einem von Giftstoffen UNbelasteten Garten, in dem gesunde Pflanzen, in einem gesunden Erdreich, in einer harmonischen und sinnvollen Synergie zusammenleben können, hat jede Pflanze und jedes Tier ihren/seinen unverzichtbaren und einzigartigen Platz im Großen Ganzen, sodass dadurch auf natürlichste Art und Weise die Balance der Selbstregulations-Mechanismen aufrechterhalten bleibt. Erst die zutiefst störenden, wenn nicht sogar ZERstörenden genetischen Eingriffe in das Saatgut der Pflanzen, sowie der weiträumige Einsatz von Pflanzengiften ( umgangssprachlich als Pflanzen-„schutz“-mittel bekannt) bringen dieses großartige und feinst aufeinander eingespielte Uhr- und Wunderwerk der Natur völlig durcheinander sodass plötzlich auseinander dividiert wird was in Wahrheit eine große sinnvolle Lebensgemeinschaft darstellt.

Nun kommt es aber immer wieder vor, dass manches, trotz intensivster Bemühungen, einfach nicht im eigenen Garten wachsen will. Dann ist dies vielleicht ein Hinweis darauf sich von einer (fixen) Vorstellung zu verabschieden. Vielleicht ist es an der Zeit bereitwillig etwas gehen zu lassen was momentan nicht in diesen, meinen Garten gehört. Vielleicht ist an dieser Stelle die Einsicht von mir gefordert, respektvoll den  Gesetzen  und der tiefen Weisheit der Natur einfach zu vertrauen ohne dass sich mir der gesamte Zusammenhang und dessen Sinnhaftigkeit im Augenblick voll erschließt?!

So ist es Ausdruck einer ganz natürlichen „Demut“ wenn ich meinem Garten eine tiefe Wertschätzung entgegenbringe indem ich mir die Zeit nehme um seine natürlichen Rhythmen und Kreisläufe kennenzulernen und zu achten. Das Leben ist ein Kommen und Gehen. Und dank der großen Weisheit der Natur steht alles was dafür benötigt wird immer und überall zur Verfügung. Und wir Menschen dürfen voll Dankbarkeit und Respekt von dieser großen weisen Lehrmeisterin lernen.

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